- justdoit! - http://fosblog.information-schule.de -

Gotthold Ephraim Lessing, Emilia Galotti, Übungstext II

Dieser Eintrag stammt von admin Am 3.12.2009 @ 14:48 In G. E. Lessing, Literatur des 18. Jahrhunderts, FAUST, Literaturgeschichte, Übungstexte, J. W. Goethe | Kommentarfunktion deaktiviert

Emilia Galotti, ein “Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing” hat schauspielfrankfurt auch im Frühsommer 2008 noch auf dem Plan (Premiere am 28. September 2007, Regie: Niklaus Helbling) und der interessierte Lessingrezipient fragt sich, was diese Geschichte vom kurzen Glücksverlangen des adeligen Prinzen (Aljoscha Stadelmann) und Emilia Galotti (Anne Müller), der Tochter aus bürgerlichem Hause dem heutigen Theaterzuschauer noch zu sagen hat…

“Ich habe sie zu lieben geglaubt!”
Ist es die verlorene Ehre des Vaters, die gewalttätige und doch feige Liebessucht des Prinzen oder das Scheitern eines eigenständigen Lebensentwurfs, welches Emilia Galotti in den Tod treibt? Der heutige Zuschauer findet neben den historischen Bezügen (Bügerfreiheit versus Absolutismus) erstaunlich zeitlose und “aktuell” wirkende Aussagen. “Ich habe sie zu lieben geglaubt!”, erklärt der Prinz gleich zu Anfang und  philosophiert über Wahrheit und Abbild der Liebe. Das Bild, welches ihm der Maler Conti von der schönen Emilia gemacht hat, erscheint merkwürdig melancholisch und des Prinzen rechte Hand, der Marquese Marinelli, kann zwar den Rivalen aus dem Weg räumen lassen, dem traurigen Fürsten eigentlich aber nicht helfen.

Marinelli (Wilhelm Eilers)  ist der genial gespielte Diplomat, Politiker und Intrigant, der die Hofgeschäfte weit besser managen könnte als der Prinz selbst. Von der Liebe aber scheint er nur so viel zu verstehen, dass man sich nehmen soll, was die eigene Machtvollkommenheit hergibt. Außerdem kennt sich Marinelli gut  mit dem Hass aus, der auf enttäuschte Liebe folgen kann und in diesen Dingen ist er - zusammen mit der klugen, vom Prinzen verstoßenen Gräfin Orsina (Sascha Icks) - ein wahrer Meister.

Ausgerechnet diesem kalten Strategen Marinelli öffnet der wankelmütige Prinz sein Herz und es darf bei aller gespielten Emotion gezweifelt werden, wer von den beiden der letztlich Empfindsamere ist. Der Prinz von Guastalla (Aljoscha Stadelmann) müsste zwar seinerseits gerettet werden, aber der Plan des Marchese, die Entführung der Emilia Galotti als Rettung nach einem Überfall zu tarnen, scheint ihm doch sehr reizvoll. Jetzt kann der Prinz die Rolle des großzügigen Gastgebers einnehmen, zugleich die Autorität des Herrschers ausspielen und hoffen, dass das gemeine Volk das Täuschungsmanöver nicht durchschaut.


Seine Aussichten, von der angebeteten Emilia erhört zu werden sind jedoch äußerst zweifelhaft, da diese sich kaum für die Liebe und schon gar nicht für den hoch gestellten Verehrer zu interessieren scheint. Und:  Ist es dem verzweifelten Prinzen anzuraten, seinen Annäherungsversuch an Emilia ausgerechnet in der Kirche auszuführen?

Nachbemerkung I: Wer zweimal hinschaut, erkennt in Lessings “Emilia Galotti” die Idee, Struktur und Personal des Faust-Dramas von J.W. Goethe wieder. (c) goethe2day/sfu 2008


Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab justdoit!: http://fosblog.information-schule.de

URL zum Artikel: http://fosblog.information-schule.de/2009/12/03/gotthold-ephraim-lessing-emilia-galotti-ubungstext-ii/

Klicken hier zum Drucken.