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Thomas Mann, Doktor Faustus, Inhaltsangabe I

Dieser Eintrag stammt von admin Am 12.6.2009 @ 14:14 In FAUST | Kommentarfunktion deaktiviert


Thomas Mann, „Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde“, 1947, Roman
Im Frühjahr 1943 beginnt Thomas Mann im kalifornischen Exil nach umfangreichem Quellenstudium mit dem Schreiben des Romans. Wie der Erzähler Zeitblom im Roman beginnt auch der Autor Mann mit den Arbeiten am 23. Mai des Jahres 1943 und lässt sie am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation Deutschlands im Zeiten Weltkrieg, enden. Der zusammen mit den gesellschaftspolitischen Aufsätzen Thomas Manns (z.B. „Deutschland und die Deutschen“,1945) erschienene Roman, der u. a. die Themen Faust, Deutschtum und Musik zum Gegenstand hat, kann als Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus verstanden werden und ist von den Zeitgenossen Thomas Manns in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst recht kritisch aufgenommen worden.

In Anlehnung an das alte Volksbuch vom Doktor Faustus gibt der Roman am Beispiel der Biografie eines deutschen Künstlers aus dem 20. Jahrhundert eine Analyse Deutschlands und der Deutschen und ihrer inneren und politischen Befindlichkeit.

Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn wird von dem pensionierten Lehrer Dr. phil. Serenus Zeitblom erzählt, der seinem Jugendfreund Leverkühn als Librettist und Verwahrer seiner Manuskripte zur Seite steht. Beide haben in Thüringen das Gymnasium besucht und mehrere Semester an derselben Universität studiert. Auch im späteren Leben kommen sie wiederholt zusammen, bis Leverkühn im Jahr 1930 – ähnlich wie in der Biografie von Friedrich R Nietzsche – geisteskrank wird, so dass er die letzten zehn Jahre seines Lebens in geistiger Umnachtung verbringt.
Leverkühn, mit faustischen Zügen ausgestattet, ist im Gegensatz zu seinem katholischen, humanistischen Prinzipien folgenden Chronisten Zeitblom ein menschenscheuer, zwischen Schwermut und angestrengter Heiterkeit schwankender Intellektueller, der seine radikalen musikalischen Arbeiten als exzentrische, die Magie einbeziehende Werke versteht, wobei ihm die Zwölftonmusik Arnold Schönbergs als Vorbild dient.
In dem zentralen Teufelsgespräch im 25. Kapitel, einem fantastischen Selbstgespräch des Künstlers Leverkühn und einem den Mephisto-Szenen aus J. W. Goethes Faust nachgebildeten Dialog, erfolgt aus dämonischer Quelle die vom Teufel versprochene  Inspiration künstlerisch-schöpferischer Genialität, die aus der Sicht des Autors Thomas Mann  als Sinnbild für die  Auslieferung der deutschen Kultur an den europäischen Faschismus verstanden werden kann (Der Künstler als Bruder des Verbrechers). Der Preis jedoch, den der geniale Komponist Adrian Leverkühn im Roman dem Teufel dafür bezahlen muss, dass ihn die Inspiration nicht mehr verlässt, ist hoch: “Dein Leben soll kalt sein - darum darfst du keinen Menschen lieben!”
Zeitbloms Beschreibung des Lebens- und Untergangs seines Freundes Leverkühn ist aus der Perspektive eines Anteil nehmenden Beobachters erzählt, der seinem Gegenstand mit einer Mischung aus faszinierter Bewunderung und sorgenvollem Schrecken gegenübersteht – dem Blick vergleichbar, den der Autor Thomas Mann selbst aus dem amerikanischen Exil auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung Deutschlands in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts richtete.

Der Künstlerroman Doktor Faustus ist deshalb auch vom Publikum als Thomas Manns literarische Auseinandersetzung mit Deutschland nach 1933 verstanden worden. Die Geschichte des deutschen Wegs in den Nationalsozialismus und Faschismus wird in dem Roman am Beispiel des Adrian Leverkühn als ein aus ideologischer Verblendung erfolgtes Teufelsbündnis dargestellt und  hat in den Nachkriegsjahren Anlass zur Diskussion über die innere und äußeren Emigration der deutschen Intellektuellen zur Zeit der Hitler-Diktatur gegeben. (Vgl. auch Klaus Mann, Mephisto (Roman, 1936)). 1982 ist Thomas Manns Roman von Franz Seitz verfilmt worden.

 

vgl.: amazon.de, vgl.Buch der 100 Bücher, Harenberg-Verlag


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