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“Erklären Sie..” Interpretationshinweise zur deutschen Literatur/Werkauswahl II
Dieser Eintrag stammt von admin Am 18.11.2008 @ 19:59 In G. E. Lessing, Literatur des 18. Jahrhunderts, Friedrich Schiller, Literaturgeschichte, J. W. Goethe, Deutsch in der FOS | Kommentarfunktion deaktiviert
Dieter Wunderlich kommentiert: “Kabale und Liebe” ist sowohl ein soziales Drama, als auch ein politisches Tendenzstück und eine Liebestragödie. Es handelt sich um ein “bürgerliches Trauerspiel”, wie es im Untertitel heißt, weil in den Hauptrollen neben Aristokraten auch Bürgerliche auftreten und der Gegensatz zwischen dem skrupellosen Despotentum der Höflinge und dem rechtschaffenen Bürgertum im Mittelpunkt des Bühnenstücks steht. “Kabale und Liebe” ist nicht in Reimen, sondern in Prosa formuliert.
Friedrich Schiller schrieb sich damit wohl auch den Zorn auf seine Freiheitsberaubung durch den absolutistischen Herzog Karl Eugen von Württemberg (1745 - 1793) von der Seele. Allerdings nennt er den Fürsten nicht beim Namen und bringt nur dessen Kreaturen auf die Bühne.
Zweitausend Menschen lebten an Karl Eugens Hof, darunter auch seine Mätressen: die Venezianierin Katharina Bonafini, mit der er einen Sohn zeugte und die deshalb mit Rittmeister von Poeltzig vermählt wurde, und ab 1780 Franziska von Leutrum, Reichsgräfin von Hohenheim, die Schiller vermutlich als Vorbild für die Bühnenfigur Lady Milford wählte. Um die enormen Kosten der Hofhaltung zu decken, versuchte Herzog Karl Eugen zum Beispiel 1776, den Engländern dreitausend junge Männer als Söldner zu verkaufen. Weil er allerdings die erforderliche Ausrüstung nicht aufbringen konnte, scheiterte das Vorhaben.Friedrich Schiller konzipierte das Stück, das zunächst “Luise Millerin” heißen sollte, vermutlich im Sommer 1782, während er den zweiwöchigen Arrest verbüßte, mit dem er wegen seiner verbotswidrigen Reise zu einer Aufführung der “Räuber” nach Mannheim belegt worden war.(…) Quelle: dieterwunderlich.de***
“Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe, »… weil ein Mensch, den seine Leidenschaften hinreißen, als ein Trunkener, als ein Wahnsinniger angesehen wird.« (Goethe)
Was ist das Herz des Menschen? Wer ist Werther? Was ist Werther? Grenzenloser Rausch der Gefühle – maßlos, kompromisslos bis zur Besinnungslosigkeit? Der Traum vom Aufstand gegen Mittelmäßigkeit, Beschränkung und Begeisterungsarmut, gegen allgemeine Unlust und den Verzicht aufs Radikale - oder die Unfähigkeit, erwachsen zu werden? Krankheit, Wahn oder ultimative Lebenslust? Werther fasziniert, Werther stößt ab.Vier Menschen machen sich auf die Suche. Wer ist Werther? Rücksichtslos stürzt er sich in eine unmögliche Liebe. Lotte bleibt bei Albert. Offenes Herz im lebensgefährlichen Blindflug: Die Sehnsucht nach dem Absoluten lässt Werther am Ende keinen anderen Ausweg als den Suizid.Goethes Briefroman wurde 1774 schlagartig zum Bestseller. Indem er die subjektive Empfindung gegenüber der nüchternen Vernunft betonte, traf er die Stimmung einer ganzen Generation. Pathetischer Egotrip oder Verteidigung bedingungslosen Denkens und Fühlens jenseits von Sarkasmus und Ironie? Live fast, love hard, die young. (Janis Joplin)Wir haben es hier mit solchen zu tun, denen eigentlich aus Mangel von Taten, in dem friedlichsten Zustande von der Welt, durch übertriebene Forderungen an sich selbst das Leben verleidet.
J. W. von Goethe: Dichtung und Wahrheit.”Quelle: schauspielfrankfurt, 2005/2008, http://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/stueckinhalt.asp?InhaltID=2537
*** Emilia Galotti, ein “Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing” hat schauspielfrankfurt auch im Frühsommer 2008 noch auf dem Plan (Premiere am 28. September 2007, Regie: Niklaus Helbling) und der interessierte Lessingrezipient fragt sich, was diese Geschichte vom kurzen Glücksverlangen des adeligen Prinzen (Aljoscha Stadelmann) und Emilia Galotti (Anne Müller), der Tochter aus bürgerlichem Hause dem heutigen Theaterzuschauer noch zu sagen hat…
“Ich habe sie zu lieben geglaubt!”
Ist es die verlorene Ehre des Vaters, die gewalttätige und doch feige Liebessucht des Prinzen oder das Scheitern eines eigenständigen Lebensentwurfs, welches Emilia Galotti in den Tod treibt? Der heutige Zuschauer findet neben den historischen Bezügen (Bügerfreiheit versus Absolutismus) erstaunlich zeitlose und “aktuell” wirkende Aussagen. “Ich habe sie zu lieben geglaubt!”, erklärt der Prinz gleich zu Anfang und philosophiert über Wahrheit und Abbild der Liebe. Das Bild, welches ihm der Maler Conti von der schönen Emilia gemacht hat, erscheint merkwürdig melancholisch und des Prinzen rechte Hand, der Marquese Marinelli, kann zwar den Rivalen aus dem Weg räumen lassen, dem traurigen Fürsten eigentlich aber nicht helfen. Marinelli (Wilhelm Eilers) ist der genial gespielte Diplomat, Politiker und Intrigant, der die Hofgeschäfte weit besser managen könnte als der Prinz selbst. Von der Liebe aber scheint er nur so viel zu verstehen, dass man sich nehmen soll, was die eigene Machtvollkommenheit hergibt. Außerdem kennt sich Marinelli gut mit dem Hass aus, der auf enttäuschte Liebe folgen kann und in diesen Dingen ist er - zusammen mit der klugen, vom Prinzen verstoßenen Gräfin Orsina (Sascha Icks) - ein wahrer Meister. Ausgerechnet diesem kalten Strategen Marinelli öffnet der wankelmütige Prinz sein Herz und es darf bei aller gespielten Emotion gezweifelt werden, wer von den beiden der letztlich Empfindsamere ist. Der Prinz von Guastalla (Aljoscha Stadelmann) müsste zwar seinerseits gerettet werden, aber der Plan des Marchese, die Entführung der Emilia Galotti als Rettung nach einem Überfall zu tarnen, scheint ihm doch sehr reizvoll. Jetzt kann der Prinz die Rolle des großzügigen Gastgebers einnehmen, zugleich die Autorität des Herrschers ausspielen und hoffen, dass das gemeine Volk das Täuschungsmanöver nicht durchschaut.
Seine Aussichten, von der angebeteten Emilia erhört zu werden sind jedoch äußerst zweifelhaft, da diese sich kaum für die Liebe und schon gar nicht für den hoch gestellten Verehrer zu interessieren scheint. Und: Ist es dem verzweifelten Prinzen anzuraten, seinen Annäherungsversuch an Emilia ausgerechnet in der Kirche auszuführen? *** Nachbemerkung I: Wer zweimal hinschaut, erkennt in Lessings “Emilia Galotti” die Idee, Struktur und Personal des Faust-Dramas von J.W. Goethe (…) (c) goethe2day und sfu 2008 *****
*** Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht, um frisch erhaltene Pfropfreiser auf junge Stämme zu bringen.“ Harmloser kann ein Roman nicht beginnen, ab so harmlos bleibt es nicht. Was sich zwischen dem wohlhabenden Baron Eduard, seiner Frau Charlotte, seinem Freund, dem Hauptmann, und der Nichte Ottilie entwickelt, erfährt eine Dynamik, die man dem beschaulichen Anfang nicht zutraut. Den Begriff der „Wahlverwandtschaften“ hat Johann Wolfgang Goethe der Chemie seiner Zeit entlehnt: Gibt man zwei verwandten Stoffen A und B einen dritten Stoff C hinzu, und besitzt dieser eine stärkere Verwandtschaft zu A als A zu B, so verbinden sich A und C „wahlverwandtschaftlich“. Nach dieser naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeit spielt Goethe die Beziehungsverhältnisse der vier Protagonisten des Romans durch. Gert Westphal liest Goethes Roman in 25 Folgen bis zum 21. September.”
Quelle: hr2 - Programmhinweis am 20.8.2007: täglich 9.30h und 14:30 Uhr, “Die Lesung Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandtschaften (1) Gelesen von Gert Westphal, Die Wahlverwandtschaften 2007 im schauspielfrankfurt http://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/stueckinhalt.asp?InhaltID=5782
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